Automatisierung · Arbeitsprobe
Passt das?
Ein Werkzeug gegen die eigene Schönfärberei. Es zerlegt eine Stellenausschreibung in einzelne Anforderungen, trennt Muss von Kann und beides von der Aufgabenbeschreibung – und prüft jede Zeile gegen eine feste Liste von 27 Fakten, die sich belegen lassen. Zu jedem Treffer steht die Quelle. Was keinen Beleg hat, bleibt sichtbar leer.
Ausgangslage
Wer sich auf 45 Stellen bewirbt, liest 45 Ausschreibungen und macht dabei jedes Mal dieselbe stille Rechnung: Was wird verlangt, was kann ich davon belegen, was nicht. Diese Rechnung fällt im Kopf regelmäßig zu freundlich aus. „GIS-Kenntnisse" liest sich wie ein Treffer, wenn man einen GIS-Kurs hatte – auch dann, wenn danach „Erfahrung mit Esri-Produkten" steht.
Der zweite Fehler ist subtiler: Aufgabenbeschreibungen werden wie Anforderungen gelesen. In der Anzeige steht „Mitarbeit in Projektteams bei der Migration bestehender GIS-Systeme" – das ist eine Beschreibung dessen, was die Stelle tut, keine Anforderung an die Person. Trotzdem entstehen daraus Anschreiben, in denen jemand seine Eignung an der Tätigkeitsliste entlang behauptet.
Was das Werkzeug macht
Es liest den Text zeilenweise. Überschriften setzen den Abschnitt – was unter „Aufgaben" steht, ist eine Aufgabe, auch wenn darin das Wort „erforderlich" vorkommt. Innerhalb des Abschnitts können Signalwörter die Einstufung noch verschieben: „wünschenswert", „idealerweise" und „von Vorteil" machen aus einem Muss ein Kann.
Danach sucht es zu jeder Anforderung einen Beleg in einer festen Faktenliste. Jeder Fakt trägt eine Quellenangabe: Urkunde – also Zeugnis oder Erfolgsnachweis –, Arbeitsprobe auf dieser Website oder eigene Angabe. Trifft nur eine eigene Angabe, wird die Anforderung nicht als belegt geführt, sondern als teilweise belegt.
Neun Sperren stehen für das, was nachweislich fehlt: mehrjährige Berufserfahrung, ArcGIS, BIM, SQL, Führungsverantwortung, CRM-Systeme, Klimasimulation, Projektleitung, Zertifikate. Trifft eine Sperre, gibt es keinen Beleg – und den Grund dazu.
Was es ausdrücklich nicht tut
- Keine Eignung in Prozent, keine Ampel, keine Empfehlung.
- Kein Sprachmodell, kein API-Schlüssel, keine Netzwerkanfrage.
- Keine Formulierungsvorschläge fürs Anschreiben – nur die Belege, an denen es ansetzen kann.
- Keine Beschönigung: Eine Anforderung ohne Beleg bleibt ohne Beleg.
Auf einen Blick
- 27 Fakten, jeder mit Quellenangabe
- 9 Sperren mit ausformuliertem Grund
- 4 Einstufungen je Zeile
- 41 Regeltests, im Browser ausführbar
- 3 Beispielausschreibungen, Arbeitgeber neutralisiert
Ein Beispiel, das den Punkt zeigt
Eine der drei hinterlegten Ausschreibungen verlangt „einen Hochschulabschluss auf dem Gebiet der Landschaftsarchitektur oder Architektur und Raumplanung mit Schwerpunkt Stadtklimatologie". Im Kopf liest man das als Treffer – der Abschluss stimmt ja.
| Anforderung | Einstufung | Warum |
|---|---|---|
| Hochschulabschluss Landschaftsarchitektur mit Schwerpunkt Stadtklimatologie | TEILWEISE BELEGT | Der Abschluss ist durch die Studiendaten gedeckt. Der Schwerpunkt nicht: Stadt- und Geländeklimatologie wurde als Vorlesung geprüft, Note 3. Ein Schwerpunkt ist das nicht. |
| GIS-Kenntnisse und/oder Erfahrung mit Programmen für Klimasimulationen | TEILWEISE BELEGT | GIS ist belegt – Kurs mit Bestnote und drei Karten aus QGIS. Klimasimulation nicht. Das „und/oder" rettet die Zeile zur Hälfte. |
| Projektmanagementerfahrung | NICHT BELEGT | Projektarbeit ja, Projektleitung im beruflichen Sinn nein. Belegt sind Studienprojekte, teils mit Bestnote. |
| Überdurchschnittliches Interesse an Fragen des Klima- und Umweltschutzes | UNKLAR | Kein Stichwort dieser Zeile kommt in der Faktenliste vor. Eine Regel kann Interesse nicht belegen – hier muss ein Mensch hinsehen. |
Das Ergebnis ist unbequemer als die Rechnung im Kopf und dafür brauchbar: Es sagt, welche zwei Sätze das Anschreiben tragen müssen und welche Lücke darin offen anzusprechen ist, statt umschifft zu werden.
Warum keine Regel und kein Modell allein reicht
Die Zuordnung über Stichworte hat eine harte Grenze: Eine Anforderung, die keines der hinterlegten Wörter verwendet, landet auf UNKLAR – auch wenn sie inhaltlich passt. Ein Sprachmodell würde diese Zeilen zuordnen. Es würde aber auch Zuordnungen erfinden, die sich hinterher niemand ansieht, und genau das ist bei einer Bewerbung der teure Fehler.
Deshalb ist UNKLAR eine eigene Einstufung und nicht der Papierkorb. Sie sagt: Hier hat die Regel nichts entschieden. Der Mensch liest die drei oder vier Zeilen selbst – das ist eine überschaubare Menge und eine ehrliche Arbeitsteilung. Dieselbe Trennung liegt auch den anderen Werkzeugen auf dieser Seite zugrunde: Die verbindliche Einstufung machen Regeln, die man nachlesen kann.
Grenzen
- Die Faktenliste ist meine. Wer das Werkzeug für sich nutzen wollte, müsste sie ersetzen. Das ist die Arbeit daran, nicht der Code.
- Stichworte sind kein Verstehen. Umschreibungen, Synonyme und Branchenjargon fallen durch.
- Es ist kein Recruiting-System. Es beurteilt keine Person und trifft keine Auswahl. Es sortiert einen Text und zeigt, wo Belege fehlen.
- Die Beispiele sind neutralisiert. Die Anforderungen stammen sinngemäß aus Inseraten, auf die ich mich beworben habe; die Arbeitgeber sind nicht genannt.
Wenn das passt
Was hier sichtbar wird, ist keine Bewerbungstechnik, sondern eine Arbeitsweise: Anforderungen aus einem Fließtext herauslösen, jede einzeln gegen eine Quelle halten und die Lücken benennen, statt sie zu glätten. Dieselbe Bewegung steckt in einem Leistungsverzeichnis, einer Datenqualitätsprüfung und einer Stellungnahme.