Projekt II zu Landschaftsarchitektur

Kendlerpark: Sukzession als Entwurf

Prozesshafter Freiraum zwischen Ordnung und Wildnis. Kendlerpark, 1160 Wien. Wintersemester 2025/26, Institut für Landschaftsarchitektur, BOKU Wien.

Umfang und Eigenanteil

  • Einzelarbeit: Analyse, Konzept, Entwurf, Plandarstellung, Modell
  • Grundriss und Schnitt im Maßstab 1:200
  • vier Befunde geben den Entwurf vor
  • was zwischen erster und letzter Fassung gestrichen wurde, steht dabei

Das Projekt als Ablauf

Auslöser
Aufgabenstellung aus Projekt II zu Landschaftsarchitektur: ein Freiraumkonzept für einen undefinierten Zwischenraum in Wien 16.
Bestand
Unterbrochene Grünachse, fehlende Raumkanten, Unzugänglichkeit durch Bauzäune, dazwischen über Jahre etablierte Ruderalvegetation.
Entwurfsentscheidung
Rahmen setzen statt fertig gestalten. Ein Hauptweg, Nebenwege nur als informelle Trampelpfade, Sukzession als Bestandteil des Entwurfs statt als Störung.
Ausführung
Einzelarbeit: Analyse, Konzept, Entwurf, Plandarstellung und Modellbau stammen von mir.
Ergebnis
Grundriss und Schnitt M 1:200, physisches Arbeitsmodell, Präsentationsplakat, 15 Seiten A3.
Übergabe
Die Blackboxflächen sind definierte räumliche Rahmen ohne endgültige Ausgestaltung – der Prozess wird nicht fertiggestellt, sondern ermöglicht.
Grenze
Ein Studienentwurf ohne Bauherr, ohne Budget und ohne Genehmigungsverfahren. Was zwischen erster und letzter Fassung gestrichen wurde, steht weiter unten.
Präsentationsplakat mit Modellfoto, Grundriss M 1:200, Schnitt und Konzeptpiktogrammen zum Entwurf Kendlerpark: Sukzession als Entwurf
Präsentationsplakat mit Modellfoto, Grundriss M 1:200 und Konzeptpiktogrammen. Für die Veröffentlichung wurde der untere Rand mit den Kopfdaten abgeschnitten.

Ausgangslage

Der Kendlerpark ist ein gewachsener Zwischenzustand: eine unterbrochene Grünachse, fehlende Raumkanten, Unzugänglichkeit durch Bauzäune, dazwischen Ruderalvegetation. Aufenthaltsstruktur und Identität fehlen dem Raum.

Die Aufgabe: für diesen undefinierten Raum ein Freiraumkonzept entwickeln, das ein übergeordnetes Raumkonzept bedient und gleichzeitig mit dem Bestand umgeht. Ziel war, räumliche Klarheit herzustellen, Bezüge zur Umgebung zu stärken und eine öffentliche Identität zu formulieren.

Statt den Ort fertig zu gestalten, setzt der Entwurf einen Rahmen und lässt die Fläche darin weiterlaufen. Bestehende Wildvegetation bleibt erhalten und wird ergänzt, Wege rahmen Offenheit, Nebenwege sind nicht baulich ausgebildet, sondern als Trampelpfade gedacht. Sukzession wird als Bestandteil des Entwurfs verstanden, nicht als Störung.

Der Entwurf versteht sich weniger als abgeschlossenes Objekt, sondern als gesetzter Rahmen für langfristige Veränderung.

Meine Rolle

Einzelarbeit. Analyse, Konzept, Entwurf, Plandarstellung und Modellbau stammen von mir. „Gruppe Gröblacher“ bezeichnet die Studio-Gruppe der Lehrveranstaltung, nicht ein Team von Studierenden.

Darstellungen

  • Grundriss M 1:200
  • Schnitt M 1:200
  • Arbeitsmodell physisch
  • Umfang 15 Seiten A3

Bestand

Vier Befunde, die den Entwurf vorgeben

BefundWas daraus folgt
Grünachse bricht ab
Der Park ist Glied 1 einer Kette aus sechs Grünräumen, die südlich abrupt endet.
Der Entwurf muss die Achse weiterführen, nicht nur die Fläche gestalten.
Zugang und Bewegung
Das Menschenaufkommen konzentriert sich auf wenige Punkte, allen voran den U-Bahn-Abgang.
Die Bewegungsströme sind gegeben und werden aufgenommen, statt neu gesetzt.
Schatten und Lärm
Bestandsbäume und Verkehrslärm überlagern sich zu Bereichen unterschiedlicher Aufenthaltsqualität.
Wo Aufenthalt möglich ist, entscheidet der Bestand – nicht der Entwurf.
Dichte Ruderalvegetation
Auf Teilen der Fläche hat sich über Jahre Wildvegetation etabliert.
Diese Flächen sind erhaltenswert und werden als Prozessflächen übernommen.
Bestandsanalyse mit Schwarzplan der Grünraumachse, Bestandsfoto und drei Diagrammen zu Zugang, Schatten und Lärm
Schwarzplan mit der Grünraumachse aus sechs Parks, dazu die drei Analyseebenen Zugang, Schatten und Lärm.

Von der Analyse zur Leitidee

Wie aus vier Befunden ein Konzept wird

01Bewegung Zugänge und Menschenaufkommen bestimmen die Bewegungsströme
02Aufenthalt Schatten und Lärm bilden Bereiche hoher Aufenthaltsqualität
03Raumkonzept Beides zusammen ergibt Aufenthaltsflächen und Wege
04Prozessflächen Die Ruderalvegetation ergänzt es um erhaltenswerte Flächen

Daraus folgt die Leitidee: Der Raum wird als offener Möglichkeitsraum verstanden. Durch die bewusste Reduktion klarer Flächenzuordnungen soll Nutzung durch Aneignung entstehen. Ein einziger klarer Weg strukturiert die Fläche, auf Höhe des U-Bahn-Abgangs entfaltet sich eine Aufenthaltsfläche als zweites ordnendes Element.

Die Blackboxflächen sind dabei keine ungenutzten Leerräume, sondern definierte räumliche Rahmen ohne endgültige Ausgestaltung. Der Kendlerprozess wird nicht fertiggestellt, sondern ermöglicht.

Vier Begriffe tragen den Entwurf

Durchlässige Rahmung

  • Rahmen definiert – ohne zu fixieren

Prozesshafte Entwicklung

  • Stadtnatur als Prozess, nicht als Zustand

Aneignung

  • Nutzung schreibt den Raum

Reduktion

  • Kontrolle abgeben, um Aneignung zuzulassen

Entwurf

Grundriss und Schnitt der Entwurfs-Endversion mit Wiese, Aufenthaltsfläche, Hauptweg, Trampelpfad und Blackbox-Flächen
Endversion: Grundriss und Schnitt M 1:200. Gegenüber der ersten Entwurfsphase wurde die Wegeführung reduziert, Nebenwege sind nur noch als informelle Trampelpfade gedacht, die Aufenthaltsfläche wurde an den U-Bahn-Abgang verlegt.

Entwurfsentwicklung

Was wurde zwischen erster und letzter Fassung gestrichen?

Der Entwurf entstand in zwei Schritten. Auffällig ist, dass jeder Schritt weniger Gestaltung enthält als der vorige – die Bearbeitung bestand im Wesentlichen aus Weglassen.

ElementErste Fassung EndversionWarum
Wegeführung Hauptweg mit Schwenker, zusätzliche Nebenwege ein Hauptweg, Schwenker entfernt Ein einziger klarer Weg genügt zur Orientierung; jeder weitere hätte Nutzung vorgeschrieben.
Nebenwege baulich ausgebildet informelle Trampelpfade durch Wiese und Blackbox Wo Menschen gehen, soll sich zeigen – nicht vorab festgelegt werden.
Aufenthaltsfläche im Zentrum des Parks am U-Bahn-Abgang Dort ist die stärkste Frequenz; die Fläche verankert den Raum funktional statt geometrisch.
Staudenbeete vorgesehen gestrichen Zugunsten einer klareren Raumhaltung – ein Beet hätte einen Pflegeanspruch gesetzt, den das Konzept nicht einlöst.
Zonierung frei gesetzte Flächenaufteilung folgt Höhenlinien und Bestandskanten Reduziert die Bauintensität und nimmt den Ort auf, statt ihn zu überformen.

Die Blackbox – zwei Typen

Die Prozessflächen sind nicht einheitlich. Je nachdem, ob dort schon etwas wächst, greift der Entwurf unterschiedlich stark ein:

Typ A · Bestand Typ B · Initialpflanzung
Ausgangslage Entwurf baut auf Bestand auf Fläche wird vorbereitet
Eingriff Rahmen markiert die Grenze, innere Struktur bleibt offen Initialpflanzung als gestalteter Startimpuls
Danach natürliche Entwicklung, prozessoffen selbstständige Entwicklung, prozessoffen
Typologie der Blackbox-Flächen: Typ A Bestand integriert, Typ B Initialpflanzung
Die beiden Blackbox-Typen im Vergleich.

Reflexion

Die größte Herausforderung lag darin, einen klar strukturierten Freiraum zu entwickeln, ohne ihn gestalterisch zu überformen. Die Reduktion von Wegen und Programmen bedeutete, Kontrolle bewusst abzugeben und Vertrauen in Prozesse zuzulassen. Die Frage, wie viel Gestaltung nötig ist, um Orientierung zu geben, ohne Aneignung zu verhindern, war dabei zentral.

Zusammengefasst aus der Reflexion der Projektabgabe, 15 Seiten A3.

Was offen bleibt

  • Wie stark sich informelle Nutzung tatsächlich etabliert, ist nicht vorhersagbar. Der Entwurf setzt darauf – belegen kann er es nicht.
  • In welchem Maß Pflege eingreifen muss, damit die Blackboxflächen nicht zur Brache werden, ist ungeklärt. Ein Pflegekonzept war nicht Teil der Aufgabe.
  • Der Entwurf versteht sich deshalb nicht als abgeschlossenes Objekt, sondern als gesetzter Rahmen für langfristige Veränderung.

Wenn Sie so entwerfen lassen wollen

Wenn Sie Entwurfsarbeit beurteilen wollen: Grundriss, Schnitt, Modellfotos und die 15 Seiten A3 zeige ich gerne im Original.

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