Landschaftsbau und Vegetationstechnik

Hangbepflanzung Groß-Enzersdorf

Vom Bestand zur gebauten Fläche. Projekt und Baupraktikum zu Landschaftsbau und Vegetationstechnik, BOKU-Versuchswirtschaft Groß-Enzersdorf, März bis Juni 2025.

Das Projekt in vier Zahlen

  • 60 m² Hang, vier Bautage, 115 h eigener Aufwand
  • 287 Pflanzen geplant, 328 gesetzt
  • bei 8 von 10 Positionen kam etwas anders als geplant – die Gegenüberstellung steht auf dieser Seite
  • mein Anteil: Bestandsaufnahme, Portfolio und Baubericht als Einzelabgabe; Entwurf und Bau in der Gruppe

Das Projekt als Ablauf

Auslöser
Ein bestehender Erddamm auf der BOKU-Versuchswirtschaft Groß-Enzersdorf soll dauerhaft begrünt werden.
Bestand
60 m² Böschung, kalkhaltige Schwarzerde, 524 mm Jahresniederschlag, angrenzende Bestandspflanzung aus einer früheren Gruppe.
Entwurfsentscheidung
Zwei Abschnitte – ruhig und pflegeextensiv der eine, kontrastreich der andere. 14 trockenheitsresistente Arten, gepflanzt in Einheiten von 2–3 m²: eine Pflege-, keine Gestaltungsentscheidung.
Ausführung
Vier Bautage vor Ort, lagenweiser Substrataufbau, Hangbefestigung mit Rundstämmen. 287 Pflanzen geplant, 328 gesetzt.
Ergebnis
Bepflanzungsplan M 1:100, drei technische Schnitte, Pflanzdetails M 1:20, 56-seitiges Portfolio mit Baubericht. 115 dokumentierte Eigenstunden.
Übergabe
Pflegekonzept in drei Phasen mit definiertem Endpunkt des Eingreifens: Etablierung Jahr 1–3, Erhaltung ab Jahr 3, Beobachtung ab Jahr 5.
Grenze
Bei acht von zehn Positionen kam die Ausführung anders als geplant. Was das war und warum, steht in der Tabelle weiter unten – nicht als Fußnote.
Vorher · März 2025 Grasbewachsener Erddamm im Bestand, aufgenommen bei der Bestandsbegehung im März 2025
Bestandsbegehung: der unbepflanzte Damm.
Nachher · Juni 2025 Derselbe Damm im Juni 2025, bepflanzt und mit Mulchkanten gegliedert
Nachkontrolle: dieselbe Böschung nach der Umsetzung.

Ausgangslage

Ein bestehender Erddamm auf der BOKU-Versuchswirtschaft Groß-Enzersdorf sollte dauerhaft begrünt werden – mit dem Ziel, den Hang zu stabilisieren, Erosion zu vermeiden und die Fläche dauerhaft zu bedecken.

Der Entwurf teilt die Fläche in zwei Abschnitte. Abschnitt A besteht aus ruhigen, großflächigen Pflanzeinheiten von 2–3 m², die die spätere Pflege vereinfachen. Abschnitt B ist kleinteiliger aufgebaut und arbeitet mit Höhenkontrasten sowie wechselnden Mulchmaterialien. Ausgewählt wurden trockenheitsresistente Arten mit breiter Wurzelstruktur; das Substrat wurde lagenweise mit Feinsubstrat und Kompost aufgebaut.

Geplant, gezeichnet und anschließend in vier Bautagen selbst umgesetzt.

Projektdaten

  • Fläche 60 m²
  • Arten 14
  • Pflanzen geplant / gesetzt 287 / 328
  • Bautage 4
  • Eigener Aufwand gesamt 115 h
  • Zeitraum 03–06/2025

Meine Rolle

Einzelabgabe innerhalb einer Kleingruppe. Entwurf und Bau entstanden gemeinsam in der Gruppe „Damm“; Bestandsaufnahme, Portfolio und Baubericht sind meine eigene Arbeit. Mein dokumentierter Aufwand für Planung, Bau und Dokumentation: 115 Stunden.

Standort

Warum diese Pflanzen und keine anderen?

Groß-Enzersdorf gehört zu den wärmsten Regionen Niederösterreichs. Die Artenwahl folgt deshalb nicht dem Geschmack, sondern vier Bedingungen, die der Ort vorgibt:

StandortbedingungAnforderung an die Pflanze
524 mm Niederschlag im Jahr
unter dem niederösterreichischen Schnitt, dazu lange Trockenperioden
kommt mit längeren Trockenperioden zurecht
Hangneigung
Erosionsgefahr, besonders bei Starkregen bis 30 mm am Tag
verwurzelt schnell in die Breite und stabilisiert die Böschung
Kalkhaltige Schwarzerde
stark durchlässig, mäßig trocken
toleriert kalkhaltige, gut durchlässige Böden
Angrenzender Bestand
Lavendel und Johanniskraut aus einer früheren Studierendengruppe
fügt sich optisch in die vorhandene Pflanzung ein

14 Arten, nach Höhe gestaffelt

Abschnitt A · ruhig, pflegeextensiv

  • Salvia nemorosa ‚Caradonna‘ – insektenfreundlich
  • Lavandula angustifolia – nimmt den Bestand auf
  • Rudbeckia fulgida ‚Little Goldstar‘
  • Artemisia absinthium – für extreme Standorte
  • Calamintha nepeta, Alchemilla mollis
  • Thymus vulgaris als Bodendecker

Abschnitt B · gestalterisch, kontrastreich

  • Salvia nemorosa ‚Caradonna‘ – bewusst wiederholt, damit beide Abschnitte zusammengehören
  • Iris barbata – strukturgebend
  • Sedum ‚Herbstfreude‘ – wichtig für Bestäuber
  • Pennisetum alopecuroides ‚Red Head‘

Gepflanzt wurde in Einheiten von 2–3 m². Das ist keine Gestaltungs-, sondern eine Pflegeentscheidung: So lässt sich später jede Art gezielt zurückschneiden, ohne die Nachbarn mitzunehmen.

Planung

Ausführung

Fotodokumentation eines Bautags: Erdarbeiten am Hang, Einbau von Rundhölzern und Aufbringen des Substrats
Fotodokumentation Bautag 3: Erdarbeiten, Hangsicherung, Substrataufbau.

Geplant und tatsächlich ausgeführt

Der Baubericht stellt Planung und Ausführung Zeile für Zeile gegenüber – auch dort, wo etwas anders kam als vorgesehen. Bei acht von zehn Positionen wich die Ausführung ab.

Das ist derselbe Gedanke, der auch hinter den Automatisierungen auf dieser Seite steht: Abweichungen sichtbar machen, statt sie glattzuziehen.

AspektGeplantTatsächlich ausgeführt
Entfernung Grasnarbeeigenständig bereits durch das Gärtnerteam erledigt – spürbare Zeitersparnis
HangbefestigungRundstämme in Mulden so umgesetzt, Gräben vor Ort verbreitert und tiefer ausgeführt
MulchmaterialSchotter auf dem kleinen, Miscanthus auf dem großen Hügel Schotter nicht geliefert → Rindenmulch auf beiden Hügeln, Miscanthus als optische Trennung
Pflanzenlieferungvollständig vollständig, aber mit Mengenabweichungen → Patchgrößen angepasst
SubstratbereitstellungKompost und Feinsubstrat wie geplant geliefert, in Schichten verarbeitet
WerkzeugRechen, Spaten, Schubkarren zusätzlich Leitern und weitere Rechen ausgeliehen
Externe HilfeMitstudierende, Gärtner*innen zusätzlich Mulchlieferung per Frontlader
Zeiteinteilung4 Tage mit gleichmäßigem Fortschritt teils schneller durch die Vorarbeit, dafür mehr Zeit für Pflegearbeiten
Bestandsintegrationnicht detailliert geplant Rosmarin, Lavendel und Iris aus angrenzenden Beständen aktiv genutzt
Patchesentsprechend Plan leicht verschoben – wegen Pflanzenmengen und aus ästhetischen Gründen

Die Zeile „Mulchmaterial“ ist die lehrreichste: Eine nicht gelieferte Schotterschicht zwingt am Bautag zur Materialalternative. Daraus folgt für künftige Projekte eine genauere Materialkontrolle im Vorfeld.

Pflege in drei Phasen

Eine Pflanzung ist mit dem letzten Bautag nicht fertig. Das Pflegekonzept legt fest, was in welchem Zeitraum zu tun ist – und wann das Eingreifen aufhört:

PhaseWas zu tun ist
Etablierung
Jahr 1–3
Regelmäßig wässern bis zum Anwachsen. Unkraut mechanisch mit Distelstecher statt chemisch – vor allem die Quecke, so lange die Stauden den Boden noch nicht decken. Rückschnitt im Frühjahr, bis zu dreimal jährlich.
Erhaltung
ab Jahr 3
Wässern nur noch bei extremer Trockenheit. Gezielter Rückschnitt, Sträucher auslichten, bei Bedarf nachpflanzen. Düngung wenn überhaupt organisch, etwa Kompost.
Langfristig
ab Jahr 5
Vegetationsentwicklung beobachten und die Artenwahl anpassen, wenn sich Bedingungen ändern. Zusätzliche Blühpflanzen zugunsten der Biodiversität.

Was ich daraus mitnehme

  • Material vorab kontrollieren. Die fehlende Schotterschicht kostete am Bautag Zeit und erzwang eine spontane Alternative.
  • Pflanzmengen schwanken. Ein Konzept muss Patchgrößen flexibel halten, sonst kippt entweder die Optik oder die ökologische Absicht.
  • Vorarbeiten klären. Dass die Grasnarbe schon entfernt war, sparte erheblich Bauzeit – das lässt sich planen, statt es dem Zufall zu überlassen.
  • Bestandspflanzen sind eine Ressource. Die Integration von Rosmarin, Lavendel und Iris war im Konzept nur grob vorgesehen und erwies sich als der sinnvollste Teil davon.

Eigener Zeitaufwand

  • Grundlagen und Bestandsaufnahme 25 h
  • Gruppenplanung 15 h
  • Baupraktikum vor Ort 25 h
  • Dokumentation und Nachbearbeitung 25 h
  • Nachkontrolle Juni 5 h
  • Finalisierung Portfolio 20 h
  • Gesamt 115 h

Weitere Unterlagen

Das vollständige Portfolio umfasst 56 Seiten und enthält zusätzlich die Grundlagen der Bestandsaufnahme, die Aufnahme einer Windschutzhecke, das Pflegekonzept und den Gesamtbaubericht. Auf Anfrage stelle ich es gerne zur Verfügung.

In den Fachnotizen

Die acht Abweichungen sortiert, und was daraus für den nächsten Plan folgt: Was zwischen Plan und Ausführung passiert →


Dasselbe Projekt, kaufmännisch durchgerechnet

Aus den Mengen, Listen und Bauberichten dieses Projekts sind nachträglich ein Leistungsverzeichnis mit Kostenschätzung, eine Termin- und Aufwandsauswertung, eine Stoffbilanz und ein Vergabeprüfraster entstanden – mit Quellenangabe für jede Zahl: Vom Entwurf zur Ausschreibung und Projektsteuerung.

Vom Plan bis auf die Baustelle

Wenn Sie eine Einsteigerstelle im Entwurf, in der Ausführungsplanung oder in der Bauleitung besetzen: Das vollständige Portfolio mit Baubericht und Pflegekonzept sende ich auf Anfrage zu.

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